Macht Zucker dumm? | 42 – Die Antwort auf fast alles | ARTE



Längst wissen wir, dass Zucker für schwere Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes verantwortlich ist. Aber das Schlimmste wissen wir vielleicht noch gar nicht – nämlich, was Zucker mit unserem Gehirn anstellt. Studien legen nahe, dass Zucker in unserem Kopf massiven Schaden anrichten könnte. Kann das stimmen? Oder ist es falscher Alarm..?

Zucker wird von der Industrie gern als “natürliche Süße” angepriesen. Schließlich wird er aus Zuckerrohr oder Zuckerrübe gewonnen. Aber “Zucker ist unfassbar weit entfernt von etwas Natürlichem”, meint die Münchner Ernährungswissenschaftlerin Marina Lommel. Denn die Pflanzen werden in der Fabrik zu Kristallzucker verarbeitet – übrig bleiben so nur noch zwei Moleküle: Glukose und Fruktose. Und damit gehen die Probleme los.
Zucker verhält sich in unserem Körper sehr ähnlich zu Alkohol. “Fruktose wird fast ausschließlich in der Leber verstoffwechselt”, erklärt die Frankfurter Neurologin Sharmili Edwin Thanarajah, “was beim Alkohol auch der Fall ist. Und auch beim Fruktoseumbau werden Stoffe freigesetzt, die direkt in der Zelle schädlich sein können.” So entsteht dabei Methylglyoxal, ein Stoff, der Proteine im Körper verändert – und im Gehirn zu Schädigungen des Gedächtnisses führt.
Dazu hat Zucker die Fähigkeit, unsere Entscheidungen zu beeinflussen. Manche Wissenschaftler sprechen sogar davon, dass uns Zucker süchtig machen kann. “Zucker steht im Zusammenhang mit Ernährung und Ernährung ist ein Hauptantrieb. Das hält uns am Leben. Damit kann man alles überschreiben, am Ende des Tages jede Art von Vernunft ausschalten”, beschreibt der Stoffwechselforscher Marc Tittgemeyer. Auch ist hoher Zuckerkonsum mit der Entstehung psychischer und demenzieller Erkrankungen assoziiert. “Der Konsum von Zucker gehört zu den größten Risikofaktoren bei der Entwicklung von Alzheimer”, warnt der Neurologe Dale Bredesen. Er fordert: Zucker muss reguliert werden wie Tabak oder Alkohol.

Quellen und weiterführende Links:

Ist Zucker eine Gefahr für unsere Gesundheit?

… ja, vor allem für die Entwicklung von Diabetes und Übergewicht ist Zucker einer der Hauptverantwortlichen.

Lustig, R., Schmidt, L. & Brindis, C. The toxic truth about sugar. Nature 482, 27–29 (2012).

… und die Lebensmittelindustrie hat jahrzehntelang versucht, die schädlichen Effekte von Zucker zu verschleiern.

Bes-Rastrollo M, Schulze MB, Ruiz-Canela M, Martinez-Gonzalez MA (2014) Financial Conflicts of Interest and Reporting Bias Regarding the Association between Sugar-Sweetened Beverages and Weight Gain: A Systematic Review of Systematic Reviews.

Was macht Zucker mit unserem Gehirn?

… Zucker kann uns süchtig machen – nach noch mehr Zucker:

DiNicolantonio JJ, O’Keefe JH, Wilson WL. Sugar addiction: is it real? A narrative review.

… der Zucker-Metabolit Methylglyoxal kann die Signalübertragung im Gehirn verändern.

Yang, Z.; Zhang, W.; Lu, H.; Cai, S. Methylglyoxal in the Brain: From Glycolytic Metabolite to Signalling Molecule.

… Zucker kann chronische Entzündungen hervorrufen und so unser Gehirn schädigen.

Ma, X., Nan, F., Liang, H., Shu, P., Fan, X., Song, X., Hou, Y., & Zhang, D. (2022). Excessive intake of sugar: An accomplice of inflammation.

… Zucker begünstigt psychische Erkrankungen.

Knüppel, A., Shipley, M. J., Llewellyn, C. H., & Brunner, E. J. (2017). Sugar intake from sweet food and beverages, common mental disorder and depression: prospective findings from the Whitehall II study.

Was sollten wir tun?

… wir könnten Zucker regulieren – wie Tabak, Alkohol oder Lebensmittelzusatzstoffe.

Lustig R. H. (2020). Ultraprocessed Food: Addictive, Toxic, and Ready for Regulation.

… die WHO meint: eine Steuer – zumindest auf zuckergesüßte Getränke – könnte Leben retten.

… weniger Zucker essen heißt weniger Alzheimer-Risiko, meint Dale Bredesen. Er sagt: Gehirn-Nahrung sieht ganz anders aus.

Musik in dieser Folge
D’Angelo and The Vanguard, „Sugah Daddy” (Album: Black Messiah), 2014
TC: 01:12:08:18 – 01:12:31:06

Wissenschafts-Dokureihe, Regie: Doris Tromballa (D 2023, 28 Min)

#zucker #gehirn #neurologie
Video verfügbar bis zum 24/03/2027

Link zur Mediathetk:

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36 Comments

  1. In dieser Folge ist uns leider ein Fehler passiert. Die Aussage, dass es keine Pflanze gibt, die zugleich süß und giftig ist, ist so nicht richtig. Die Tollkirsche zum Beispiel wird oft als „leicht bitter und süßlich“ beschrieben. Danke für Eure Kommentare, die uns darauf aufmerksam gemacht haben.

  2. Auf Getreide verzichtet man am Besten- viel zu viel Kohlenhydrate und damit Zucker.
    Bis zur Agrarrevolution vor 12'ooo Jahren lebten wir teils in Ketose und teils in Glykolyse. Seither aber konstant in Glykolyse und das ist nicht gesund. Die Agrarrevolution verursachte wohl eine Bevölkerungsexplosion, weil plötzlich unbegrenzt Nahrung zur Verfügung stand, aber dies ging auf Kosten der Gesundheit des einzelnen. Wer sich gesund ernähren will, der fährt Kohlenhydrate massiv herunter und geht nicht über 100 Gramm pro Tag, am besten bleibt man unter 50. Selbstverständlich kann man Ausnahmen machen, aber das sind Ausnahmen.
    Kohlenhydrate befeuern Entzündungen massiv, das fällt auf Ketose weg, der Kopf klärt sich, Heisshungerattcken bleiben aus, man hat ein konstantes Energielevel, man nimmt ab. Man orientiere sich an der #Keto-Diät. Jeder der sie kennt, bestätigt die erstaunlichen Ergebnisse

  3. JA und den Rest des Organismus.
    Low Carb ist das beste was man ernährungstechnisch tun kann. Es muss nicht gleich 0g sein aber < 100 g ist erstrebenswert.

  4. Wie siehts aus mit Zucker während und kurz nach langen und intensiven Ausdauereinheiten? Dort ist es ja ganz normal den Zucker in Form von z.B. Maltodextrin & Fruktose zu nehmen und das auch nicht zu wenig.

  5. Esse seit acht Jahren keinen weißen Zucker, keine künstlichen Süßungsmittel und keine verarbeiteten Lebensmittel, in denen weißer Zucker oder Süßungsmittel enthalten sind. Ich bin da sehr konsequent. Kann ich nur empfehlen.

  6. Als angehende Köchin lerne ich, dass viele Lebensmittel, über die oft schlecht gesprochen wird, auch positive Seiten haben. Zucker ist ein gutes Beispiel: Dieses Video
    Als angehende Köchin lerne ich, dass viele Lebensmittel, über die oft schlecht gesprochen wird, auch positive Seiten haben. Zucker ist ein gutes Beispiel:
    Der menschliche Körper benötigt Zucker als Energiequelle – er ist ein natürlicher Bestandteil unserer Ernährung. Entscheidend ist nicht, dass Zucker schlecht ist, sondern wie viel man davon konsumiert und wie bewusst man damit umgeht. Jeder Mensch kann selbst entscheiden, ob er Zucker in einem gesunden Rahmen nutzt oder ob er durch übermässigen Konsum seiner Gesundheit schadet.

    Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass in der Lebensmittelindustrie teilweise Tierversuche durchgeführt werden, zum Beispiel zur Prüfung von Zusatzstoffen oder neuen Süssstoffen. Ich persönlich finde das nicht gut, weil Tiere dafür leiden müssen. Deshalb ist es sinnvoll, sich mit den Produkten auseinanderzusetzen, die man verwendet, und bewusst zu wählen, was man unterstützen möchte.

  7. Zucker macht süchtig. Ich finde es etwas übertrieben zu sagen das alle von Natur aus es bevorzugen, ich denke die Angewohnheiten sind viel wichtiger. Die meisten Kinder <1 Jahre die ich kenne / gekannt habe, hatten Vorliebe für Fleisch und nicht für Süßes

  8. Ich mag Süßes kaum. Einmal im Monat mal'n Stück Kuchen oder Schoki.
    Auch Fertiggerichte oder sehr verarbeitetes hab' ich schon als Kind nicht gemocht.
    Verstehe das Theater nicht.

  9. Alkohol kann auch als Zucker-Abkömmling verstanden werden; Alkoholismus wäre damit eine Art der Zuckersucht. Nur eben vergorener Zucker. Das Beste, was man damit/daraus machen kann, ist Essig 😉

  10. Im Grunde richtig und vll. für einige auch mal wichtig zum Anregen einer Reflexion über das eigene Essverhalten, aber schon das Intro ist irreführend. Brombeeren, Salami, Mandeln, sind alle einzelne Lebensmittel, die dem Verzicht einer ganzen Gruppe von Lebensmitteln gegenüber gestellt werden. Wenn, dann müsste hier gefragt werden, ob auf Obst, Fleisch oder Nüsse verzichtet werden will. – Ich für meinen Teil, würde wesentlich lieber auf Süßigkeiten verzichten, als auf Fleisch, obwohl das den geringsten Zuckeranteil der genannten Lebensmittel hat. Letztlich würde ich auch lieber auf Süßigkeiten verzichten, als auf Früchte, wenn man sich das Ausmaß überlegt: Viele Süßwaren würden damit ebenfalls wegfallen. Es käme auch kein Saft oder Limonade auf den Tisch, kein Cocktail, kein Wein, kein Fruchtjoghurt, Erdbeerquark und weder Apfel noch Banane im Müsli. Keine Zitronenscheibe im Wasser, keine Limette im Wokgericht. Streng genommen nichtmal Tomatensuppe oder Lasagne. Das ist wohl für alle eine ziemlich schwere Vorstellung. Sind wir deshalb jetzt alle "fruchtsüchtig"? Dass wir uns oft ungesund und unnatürlich ernähren – das gilt für massenweise Billigfleisch schlechtester Qualität, genauso wie für nährstofflose Fertigbrötchen, und frittierte Fettbomben als eben auch Zucker / Süßigkeiten – ist fraglos. Aber Schuld daran sind weder "der Zucker" noch "die Industrie".

  11. Allulose one schadliche nebenwirkung? Glaube die das selbs? Jeder diese sucker ersatse hat nebenwirkungen, fon diese weissen wier einfach nog nicht was es ist. 😅

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