1️⃣ Ich verstehe den Gedanken total. Wer Osteoporose hat, hat Angst vor dem einen Sturz. Also sucht man sich ein Training, bei dem nichts passieren kann. Auf dem Stuhl, mit festem Halt. Klingt vernünftig. Und genau da liegt der Haken. Nicht, weil Sitzgymnastik schlecht wäre. Sondern weil sie ausgerechnet das auslässt, worauf es beim Hinfallen ankommt.
2️⃣ Denn die meisten Brüche im Alter entstehen nicht, weil der Knochen einfach so bricht. Über 90 % der Hüftbrüche passieren bei einem Sturz. Und was einen Sturz verhindert, ist genau das, was im Sitzen kaum trainiert wird: Gleichgewicht, Kraft in den Beinen und die schnelle Reaktion, wenn der Fuß an der Teppichkante hängen bleibt. Ein Stuhl kann dich beim Training halten. Im Alltag, auf der Treppe oder im Bad, hält er dich nicht.
3️⃣ Im Sitzen trägt dein Körper sein eigenes Gewicht nicht. Deine Beine müssen dich nicht halten, deine Hüfte muss nichts ausbalancieren, und dein Knochen bekommt kaum Zug und Druck. Bewegung ist das trotzdem, und sie ist viel besser als nichts. Aber sie trainiert nicht das, wovor sie sich eigentlich schützen will.
4️⃣ Eine Frau, Ende 70, hat mir im Video-Call genau das erzählt: drei Jahre Sitzgymnastik, treu jede Woche. Und trotzdem fühlte sie sich beim Aufstehen aus dem Sessel jedes Mal wackelig. Wir haben angefangen, mit einer Hand an der Küchenarbeitsplatte im Stehen zu üben. Erst auf beiden Beinen, dann mit den Füßen hintereinander. Nach ein paar Wochen sagte sie: „Ich stehe wieder anders da.“
5️⃣ Die Lösung ist also nicht, damit aufzuhören. Sondern Schritt für Schritt vom Stuhl ins Stehen zu kommen: Aufstehen und Hinsetzen ohne Hände, Stand auf einem Bein mit Halt, Fersenheben am Küchentresen. Gleichgewichts- und Krafttraining im Stehen senkt Stürze in Studien deutlich. Sicherheit kommt nicht vom Sitzen, sondern davon, dass dein Körper wieder weiß, wie er dich hält. Und das kann er in jedem Alter neu lernen.
Folge wenn du solche ehrlichen Einordnungen für dich und deine Mutter nicht verpassen willst.
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